Bergradfahren: ein Erlebnis, bei dem Ärger, Vorurteile und ein Knie geheilt wurden

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Die Christliche Wissenschaft ist schon seit meiner Geburt ein Teil meines Lebens. Doch obwohl ich schon seit einem Jahr Mitglied der Mutterkirche bin, lerne ich erst jetzt meine Religion mehr zu schätzen. Ich merke, wie wichtig Christian Science für mich und mein Leben ist, weil ich die neuen, stets aktuellen Erkenntnisse überall einsetzen kann und weil diese Religion mir Rückhalt gibt, mich stärkt in allem, was ich tue, tun muss. Das gibt mir Kraft. Seit diesem letzten Halbjahr ist die Christliche Wissenschaft für mich nicht mehr nur meine Religion, sie ist jetzt auch meine Überzeugung.

Anlass für diesen Umschwung war eine für mich sehr bedeutende Heilung, die ich letzten Sommer erleben durfte:

Ich nahm in diesem Sommer zum vierten Mal an dem PRISMA-Freizeitlager für junge Christliche Wissenschaftler teil, welches in diesem Jahr in Oberbayern am Schliersee stattfand.

Ich schätze diese Angebote (wie auch das jährliche „Easter Camp“ in England) sehr, weil es immer wieder ein tolles Erlebnis ist, sich mit anderen, gleichaltrigen und gleichgesinnten Gotteskindern zu treffen, um Fragen und Erfahrungen auszutauschen und Gemeinsames zu erleben. Dieses Mal waren wir eine besonders große Gruppe, ungefähr 25 Jugendliche.

Es gab auch wieder einen Erlebnistag an dem entweder Reiten oder Bergradfahren zur Auswahl standen. Natürlich wählten fast alle Mädchen … Reiten. So gehörte ich zu den einzigen drei Mädchen beim Radfahren. Ich schaffte es sogar als Einzige ohne zu schieben auf den Bergsattel. Es war also ein richtig toller Tag gewesen, so weit.

Der Rückweg nach Schliersee entwickelte sich zum ganzen Gegenteil: Unser Gruppenführer, mit dem wir zusammen mit einem PRISMA-Betreuer unterwegs waren, hatte uns kurz zuvor vor einer schwer passierbaren Stelle gewarnt, an der das Regenwasser der vorherigen Tage den Weg in lockeres Geröll verwandelt hatte. Als ich einer Freundin beim Passieren dieser Stelle etwas überheblich zurief, dass ich die Stelle geschafft hätte, ohne zu schieben, fiel ich unmittelbar vom Rad. Die Verärgerung über den Sturz, diese „Demütigung“, war größer als der Schmerz. Ich spürte förmlich, wie meine Freude rasch schwand, sodass ich ziemlich frustriert und deprimiert weiterfuhr.

Damit die Gruppe stets zusammen blieb, wurden immer wieder Wartepausen eingelegt, bei denen sich Betreuer und Gruppenführer an der Spitze ablösten. Bei diesen kurzen Pausen wurde dann der Abstand zum Ziel überprüft und gefragt, ob man der Letzte sei, bevor es weiterging. Schon am Anfang des Tages, hatte mir diese Vorgehensweise missfallen. Würde man es wirklich bemerken, wenn jemand fehlte?

Und dann geschah es:

Kurz nach einem solchen Treffpunkt merkte ich, dass ich zum zweiten Mal an diesem Tag nicht mit der Schaltung zurechtkam. Beim letzten Mal hatte sich die Kette beim Schalten irgendwie verhakt gehabt. Also stieg ich voller Frust vom Rad, um abermals nach der Kette zu sehen. Doch beim vorigen Mal hatte mir der Betreuer geholfen, da ich mich selber nicht so gut mit Bergrädern auskenne … weshalb ich aufsah, um mir Hilfe zu holen. Doch die Gruppe war bereits um die nächste Kurve verschwunden!

Ich wusste, dass Schreien sinnlos gewesen wäre. Mich hätte so oder so keiner mehr gehört. Ich schwang mich also schnell wieder aufs Rad, wollte losfahren, die anderen einholen, egal was mit dem Schalten war, … als die Kette ganz vom Kranz sprang.

Mit einem Mal wurde mir die gesamte (scheinbare) Ausweglosigkeit der Situation bewusst: Keiner war da, der mir helfen konnte, ich stand hier mit einem unbrauchbaren Mountainbike, ohne Landkarte, ohne Kompass, Trinken, Essen … und am schlimmsten: Es waren noch um die 20 Kilometer bis zur Jugendherberge!

Außerdem würden die anderen wahrscheinlich erst sehr spät mein Fehlen bemerken. Weinend und fluchend machte ich mich an der dummen Kette zu schaffen … ein sinnloses Unternehmen, wie mir schon von Anfang an klar war … und war kurz davor zu verzweifeln, mich einfach ins Gras zu schmeißen und gehen zu lassen, als mir ein rettender Gedanke kam: Moment mal! Du hast doch was in der Sonntagschule gelernt! Und was ist denn mit den ganzen, bisher erlebten Heilungen? Da gibt es doch noch jemanden, der auf dich aufpasst, immer für dich da ist, um dir zu helfen, um dir Kraft zu geben, um dir den Weg zu zeigen! Gott ist LIEBE! Er lässt dich hier nicht im Stich! Er umsorgt dich wie ein guter Hirte sein verloren gegangenes Schäfchen!

Ich rappelte mich auf und beschloss, nicht aufzugeben, sondern zu schieben. 20 Kilometer … egal, was ist das schon im Vergleich zu Gottes Schöpfung, Seiner Allgegenwart?

Kaum war ich um die Kurve gebogen, sah ich, dass sich der Weg in zwei verschiedene Richtungen teilte. Der Wegweiser zeigt in die eine Richtung nach Schliersee und in die andere Richtung nach Schliersee am …(was weiß ich)-Bach. Ich war kurz davor, nochmals von der Hoffnungslosigkeit übermannt zu werden, ermahnte mich aber, ruhig zu bleiben. In dem Moment fiel mir eine Strophe eines christlich-wissenschaftlichen Liedes ein, in der es unter anderem auf Englisch heißt: „Choose GOD, when you come to a fork in the road.“ Dieses Lied war eins meiner Lieblingslieder als kleines Kind gewesen, und so fiel es mir nicht schwer, dem Rat zu folgen, „Gott zu wählen, wenn ich zu einer Weggabelung komme“. Also betete ich, Gott möge mir als mein mich liebender Vater bitte den richtigen Weg zeigen, mich behüten, mir die Richtung weisen. Und ich hatte plötzlich das starke Gefühl, nur Richtung Schliersee zu müssen und schob weiter.

Nach wenigen Minuten kam mir eine ältere Dame entgegen, die ich nach meiner Gruppe fragte. Sie habe nichts von einer solchen Gruppe gesehen, war die Antwort, doch dieses Mal ließ ich nicht zu, dass sich Zweifel bei mir einschleichen könnten, bedankte mich und schob weiter. Keine halbe Minute später kam Rettung in Form eines jungen, ebenfalls Bergrad fahrenden Mannes von hinten auf mich zu. Er stieg sogleich ab und fragte mich, ob er mir helfen könne, warum ich denn schiebe.

Was mich so überrascht hat, war die Hilfsbereitschaft dieses jungen Mannes und ich hatte das unglaubliche Gefühl, dass mir die göttliche Liebe diesen Menschen geschickt hätte, dass er so etwas wie ein Engel war, der gesandt worden war, um mir zu helfen. So ein Gefühl hatte ich noch nie zuvor gehabt.

Ich antwortete und beschrieb dem jungen Mann meine Situation.

Das Tolle war, dass ich keinen einzigen Moment das Gefühl hatte, dass dieser Mensch ein Fremder sein könnte, mir möglicherweise Leid hätte zufügen wollen. Ich wusste, dass ich der göttlichen Liebe vollkommen vertrauen konnte.

Der junge Mann hatte die Kette mit ein, zwei geübten Handgriffen wieder auf dem Rad, sodass ich die restlichen ca. 19 Kilometer getrost zu Rad hätte hinter mich bringen können. Doch es kam noch besser: Ich bedankte mich herzlich bei meinem persönlichen Engel, welcher mir sofort anbot, mich weiter Richtung Schliersee zu begleiten, da auch er in diese Richtung müsse.

Normalerweise wird einem schon im Kindesalter eingeschärft, dass man bloß nicht mit Fremden mitgehen sollte, erst recht nicht als Mädchen oder junge Dame, usw., aber erstaunlicherweise blieben das Gefühl der allumsorgenden, allgegenwärtigen Liebe und das Gefühl, dass dieser junge Mann kein Fremder, sondern extra zu mir geschickt worden war.

Und so brachen wir gemeinsam Richtung Schliersee auf.

Und damit war Teil Eins meiner Heilung auch so gut wie beendet. Schließlich fanden wir dann nämlich auch meine Gruppe, bei einer Brücke, wo sie wegen meines Fehlens (sie hatten es also erst nach ungefähr 10 Kilometern bemerkt) angehalten und den Gruppenführer losgeschickt hatten.

Der zweite Teil begann auf der Fahrt mit meinem „Engel“ (Jürgen) nach Schliersee. Wir kamen nach einer ganzen Weile an eine Brücke, auf die wir abbiegen sollten. Da bemerkte ich, während ich hinter Jürgen herfuhr, Bauarbeiter unten im Wasser an der Brücke. Mein erster Gedanke war: Uähhh, Bauarbeiter! Zu einem zweiten Gedanken konnte ich gar nicht erst kommen, da ich im selben Moment vom Rad auf die Brücke flog, hart auf dem Beton landete und mir das linke Knie aufschürfte, sodass es blutete. Verärgert rappelte ich mich auf und stieg schnell wieder aufs Rad. Jürgen hatte zum Glück, nein, Gott sei Dank, nichts bemerkt. Jetzt kommt der Hammer: Während ich aufs Rad stieg, lachten die Bauarbeiter unten im Wasser plötzlich auf. Sie zeigten auf mich und riefen: „Vorsicht Kleine, da geht’s hoch, nicht auf die Brücke fallen!“ (Die Worte habe ich noch genau im Kopf.) Sie haben mich ausgelacht!

Bei der nächsten Brücke hörte ich plötzlich viele Stimmen meinen Namen rufen. „Wiebke!“ Jürgen drehte sich schneller um als ich und fragte mich: „Hey, ist das nicht deine Gruppe?“ So war ich wieder bei meinen Freunden angelangt.

Später am Abend (es war ein Mittwoch) konnte ich schon gleich ein Zeugnis halten (die Bauarbeitergeschichte ließ ich dabei aus) und mich bei Gott, Liebe bedanken. Ich sehe Ihn immer wieder gerne als guten Hirten. Wie eben im Psalm 23:4: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“

Die Bauarbeitergeschichte ließ sich nicht so schnell vergessen. Das Knie wollte und wollte nicht verheilen, es eiterte, usw. Nach der Freizeit zu Hause angekommen nahm ich mir dann mal richtig Zeit, das Thema auszuarbeiten. Es war nicht fair von mir gewesen, schlecht über Bauarbeiter zu denken. Gott ist Liebe. Er bestraft nicht. Ich hatte meine Gedanken so von schlechten Vorurteilen gefüllt, dass da kein Platz mehr gewesen war, um auf den Weg zu achten.

Ich musste meine Gedanken gegenüber den Bauarbeitern berichtigen. Deshalb schrieb ich mir mit einem Stift alle guten Eigenschaften von Bauarbeitern auf den Arm (auch als Selbstüberwindung, da ich mir sonst nie Dinge aufschreibe): dass sie Gotteskinder sind, Gott widerspiegeln, Ihn ausdrücken, Arbeit verrichten, die sonst eher gemieden wird, hilfsbereit sind und so weiter.

Das Knie war nach wenigen Tagen wieder voll in Ordnung und meine Gedanken über Bauarbeiter – zum ersten Mal in meinem Leben – auch!

Außerdem habe ich mir vorgenommen, mir zeigen zu lassen, wie man eine Kette wieder aufs Rad kriegt.

Ich bin sehr dankbar für die Christliche Wissenschaft!